Befürworter und Gegner der Exhumierung für eine gemeinsame Sache – so hätte es sein können!

Am Mittwoch, dem 30.01.2013, war ich einziger Gast in der öffentlichen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses des Stadtrates Hildburghausen. Dort wurde die Vorlage des Bürgerbegehrens „Gegen die Exhumierung der Dunkelgräfin“ in einen Bürgerentscheid umzuwandeln, einstimmig von den dort anwesenden Stadträten/-innen beschlossen. Nachdenkenswert war die Aufstellung der Kosten, die solch ein Bürgerentscheid mit sich bringt. Das hätte man sich vorher überlegen sollen. Einerseits wird mehr Basisdemokratie gefordert, andererseits rückt die Bürgerinitiative sogar in die Nähe des Kostenverursachers. Diesen Schuh ziehen wir uns aber nicht an. Demokratie kann man nicht mit Geld aufrechnen. – Allein die Kosten der Auswertung der Unterschriftslisten beliefen sich angeblich bei 1.388 Unterschriften mit einer Prüfzeit von durchschnittlich etwa vier Minuten je Unterschrift auf über dreieinhalbtausend Euro. Selbst habe ich noch mehr als 500 Unterschriften vorliegen, die nicht gewertet werden können, da sie entweder zu spät oder in falsche Listen eingetragen wurden. – Übrigens, die bisherigen Kosten hatte die Bürgerinitiative selbst getragen, die keinen Haushaltsplan und auch kein Sponsoring hat. Die Kosten wurden aus den persönlichen Taschen beglichen, weil uns unsere Heimatstadt sehr viel wert ist.

Seit Sommer letzten Jahres wurden von beiden Seiten sachliche und teils auch unsachliche Argumente verbreitet, da und dort auch angeblich „dreckige Wäsche“ gewaschen, sei es über Leserbriefe, Kommentare zu Zeitungsartikeln, Anzeigen, Beleidigungen, Beschimpfungen. Da brauchte man bei den Befürwortern wie auch bei den Gegnern keine Unterschiede zu suchen. Das ist bei einer solchen mit Emotionen beladenen Problematik normal, denn bei einem Status quo wäre keine Auseinandersetzung geschehen.

Ein Hellseher bin ich nicht, aber ich denke, falls es zu einem Bürgerentscheid kommt, wird es ein sehr knappes Ergebnis zwischen Befürwortern und Gegnern geben. Egal, wer unterliegt oder wer die Mehrheit auf sich vereinigen kann: Die Hälfte der Abstimmenden wird verärgert sein. Ein solches Ergebnis benötigt das kleine Hildburghausen nicht. Aus diesem Grund wandte ich mich auch mit einem Offenen Brief an die Fraktionen des Stadtrats. Es gab wenig Zustimmung, der Grundtenor war Ablehnung, so auch der Brief der größten Fraktion des Stadtrats. Ein „Aufeinander-Zugehen“ hätte ich mir gewünscht. Es darf wohl unter Demokraten nicht sein, dass die Gegner einer komplizierten Problematik als Verhinderer oder Ewiggestrige abgetan werden und die Befürworter die angeblich positiven Kräfte seien. Ein gemeinsames Vorausschauen wäre nützlicher gewesen, denn die Kenner der Problematik wurden nach meinem Wissen gar nicht erst befragt. – Der Erste Beigeordnete des Bürgermeisters, Holger Obst, wies mindestens dreimal die Abstimmenden des Haupt- und Finanzausschusses darauf hin, man könne den Beschluss vom 27.06.2012 auch aufheben. Die Aussage wurde aber vom Stadtrat ignoriert. Herrn Obst will ich nicht unterstellen, dass die Frage nur eine Alibifunktion hatte. Man könnte jetzt auch bemerken, dass Herr Obst wahrgenommen hat, es gibt andere Lösungen. Oder wollte er den Beschluss festschreiben, weil es für den Hauptausschuss keine andere Variante gibt? Aber das Spekulieren ist gewiss untauglich, Kommunalpolitik zu erläutern und zu begreifen.

Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, den Kompromiss zu diskutieren, dass der Stadtrat seinen Beschluss vom 27.06.2012 aufhebt und es nicht zur Exhumierung käme. Das würde nun wieder die Befürworter verärgern. Das muss aber nicht sein, wenn sich im Gegenzug die Stadt Hildburghausenverpflichtet, alles zu tun, um ohne Graböffnung die Wahrheit ans Licht zu bringen. Man sollte diese Möglichkeit zumindest erörtern und Lösungen suchen.

Den Schriftstellern und Autoren, die bisher so viele Fakten, Indizien und Beweise zusammengetragen haben, die jedes Gericht als Indizien anerkennen würde, gebührt ein großes Dankeschön. Ohne sie wäre das Bürgerbegehren, aber auch die Neugier um das Wissen, dass Madame Royale in Hildburghausen/Eishausen gelebt hat, nicht entstanden! Natürlich möchten die Leser die Wahrheit kennen, ich persönlich auch, allerdings ohne Exhumierung! Die Dame hatte ihr leidvolles Schicksal schon zu Lebzeiten tragen müssen, sie braucht ihre Ruhe im Tode.

Aus meiner Sicht geht es um das Ausschöpfen auch noch weiterer Lösungsvarianten. Zu einem weiteren Vorschlag: Die Stadt Hildburghausen fordert in einem Brief die französische Regierung um Aufklärung, schließlich geht es hier um die Aufarbeitung der Geschichte Frankreichs. Deutsche Behörden versagen dabei vermutlich ihre Mitarbeit nicht, auch könnte der mdr diese Recherchen dokumentieren.

Das Bürgerbegehren wurde nicht ohne Grund initiiert. Hildburghausen braucht Aufmerksamkeit. Ich denke und bin mir auch sehr sicher, dass die Stadt von den Schriftstellern und Autoren jegliche Unterstützung erhalten wird, die sich forschend bemühen, das Rätsel zu lösen. Sollte die Wahrheit herausgefunden werden, wird es in keinem Fall ihre Werke mindern. Immerhin haben wir es ihnen zu verdanken, dass Hildburghausen diesen Mythos besitzt und dass das Andenken an das geheimnisvolle Paar bewahrt blieb, denn die Stadt selbst hat in dieser Richtung nicht viel unternommen, auch in den letzten Jahren nicht.

Bitte, nutzt diese Möglichkeit, den Stadtratsbeschluss zurückzunehmen!

Persönliche Meinung des Administrators dieser Homepage

Ines Schwamm

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