Broiler und Weißwürste um die Ohren hauen

 

Ostalgie

 

Frau Schildburg zu Herrn Hausen:

Als ich am 18. Oktober 2016, also zwei Wochen nach dem 26. Jahrestag der Deutschen Einheit, die Zeitung aufschlug, wurde mir kotzübel, was ich da über eine Ostalgiepartie in der Obermaintherme in Bad Staffelstein im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels las. Zwei Drittel einer Zeitungsseite werden unter der Überschrift „Wo der Goldbroiler auf die Weißwurst trifft“ verschwendet – für ein paar unverbesserliche Spinner.

 

Herr Hausen:

Für mich ist die DDR-Ostalgie kein Phänomen, sondern ein äußerst peinliches und dummes Produkt einer laienhaften Vergangenheitsbewältigung mit diffusen Gefühlen und Erinnerungen. Vielleicht wollen sich einige Ewiggestrige noch nachträglich eine DDR-Identität verschaffen, auch aus dem Westen, die die sozialistische Diktatur selbst nicht erlebten. Erklärungsmodelle und die DDR-Sehnsucht sind rückwärts gerichtet. Das kann man doch alles sehr viel einfacher haben. Deutschland hat inzwischen einige riesengroße und leergeräumte Truppenübungsplätze, dort könnte man die größte und langweiligste DDR der Welt nachbauen mit allen Annehmlichkeiten und Schönheiten wie Metallgitterzaun, Minenfelder, Sperrzone, Versorgungsproblemen, einschließlich fehlender Bananen, maroder Industriebetriebe und Bausubstanz, Umweltzerstörung, ohne Westfernsehen, dafür Parteilehrjahr mit Intershop, Staatssicherheit, Gefängnisstrafen für missliebige Gedanken und Witze, Reiseverbot und hundert andere Dinge …

 

Frau Schildburg:

Ach, so: Auf Seite 1 lese ich, dass der tapfere Bodo am gleichen Tag durch Coburg spaziert und über Rot-Rot-Grün im Bund sinniert. Ist es nicht seine gut bezahlte Aufgabe, ordentlich in Erfurt zu regieren? Oder Fehlanzeige? Oder will er als strammer SED-Nachfolgeparteipolitiker wieder die DDR? Die alten Geister huldigen ihm doch schon zusehends.

  • Drachentöter 2.0  schreibt:

    Also, wenn ich von „Bodo“ lese, bringe ich das immer in Zusammenhang mit Bo(tu)dolismus, das kommt ganz automatisch-warum???
    Doch das Schlimme an der Sache ist, diese kranke DDR-Nostalgie kommt nur bei den „Wendeopfern“ vor. So kann man noch heute lustige Kahnpartien im Spreewald sehen, bei denen die Kahnfahrergesellschaft singen:“Bau auf bau auf, sozialistische Jugend bau auf“ und das Ganze wird noch im MDR übertragen! Es ist einfach ekelhaft. Nur blöd, diese Krankheit ist vererbbar!
    Die Drachenbrut stirbt niemals aus!

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