Das Schicksalsjahr 1945

Hans-Jürgen Salier                     Ines Schwamm 

 

Das Schicksalsjahr

1945

im Kreis Hildburghausen

 Titel - Oskar Nerlinger

 Oskar Nerlinger: „Es wird wärmer …“ Aquarell in: „Ulenspiegel 8/1/1946

 

 Gedanken zuvor 

Februar 1945, genau vor siebzig Jahren, kommt der grausamste Weltenbrand auch nach Hildburghausen. Not, Elend und Verzweiflung sind überall sichtbar. Der Postbote bringt in Umschlägen täglich schreckliche Nachrichten: Todesmeldungen. Trauer und Angst sind Lebensalltag. Schwerstverletzte liegen in den als Lazaretten umfunktionierten Schulen. Sirenengeheul bei anfliegenden Jagd- und Bombenflugzeugen lässt die Menschen angstvoll den nächsten Luftschutzkeller aufsuchen. Spielplätze und Schulen sind für die Kinder längst tabu. Nachts dringt kein Licht mehr in die dunkle Stadt, die Straßenbeleuchtung ist abgeschaltet, die Fenster verdunkelt. Zuwiderhandlungen werden empfindlich bestraft. Halbwüchsige und nicht mehr kriegsverwendungsfähige Männer werden in Uniformen gesteckt und zum Kanonenfutter entmenschlicht. Erlasse zuhauf, Androhungen der Todesstrafe bei Zuwiderhandlungen. Flüchtlinge und Vertriebene erreichen die Stadt. Kaum jemand erwartet sie oder heißt sie willkommen. Hunger und Verzweiflung, eine grausame Mischung …

Am 23. Februar 1945 bringt ein US-amerikanisches Bombergeschwader den Tod in das verträumt vertraute Städtchen im Werratal. Gerade hier träumte man sehr fest den Traum des Nationalsozialismus, der ein Verbrechen war und ist. Der Kampf um das nackte Überleben hat längst begonnen.

Am 7. April, einen Monat vor der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, rücken nach Beschuss Panzertruppen des Generals Patton ein. Vorher lässt der verantwortungsbewusste Bürgermeister Dr. Zschaeck die weiße Fahne der Kapitulation hissen. SS-Leute richten die Waffen gegen ihn. Er schafft es und kann die Stadt übergeben. Noch verlieren Menschen ihr Leben, auch wenn die Kriegsfurie jeden Tag schwächer, aber nicht ungefährlicher wird. Kinder werden geboren, der Frühling naht, Hoffnung keimt. Beinahe ein Vierteljahr üben die US-Truppen Regierungsgewalt aus. Nach dem vereinbarten Besatzungswechsel zieht die Rote Armee der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken hier ein. Hildburghausen wird Teil der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands. Beinahe nahtlos etabliert sich die neue Diktatur, die sich auch sozialistisch nennt und im Kommunismus enden soll. Ihr Ende ist Ihre eigene Unfähigkeit. 1989 implodiert sie, bricht zusammen.

Die beiden Autoren bemühen sich, nicht nur die lokalen Ereignisse des Jahres 1945 in den Mittelpunkt zu rücken, sondern sie verbinden sie mit den Geschehnissen in Thüringen und auch mit denen des sogenannten „Großdeutschen Reiches“. Sie verknüpfen Historisches vor und nach dem Schicksalsjahr miteinander.

Wir laden unsere Leser zum Lesen und Diskutieren ein. Im gesamten Jahr 2015 werden wir zur Erinnerung und zur Mahnung um eine vor allem 1932 und 1933 missbrauchte und verantwortungslos gestaltete Demokratie Texte und Bilder ergänzen, um sie für die kommenden Jahre als Grundbestandteil unserer beiden Homepages zu belassen:

www.dunkelgraefinhbn.de und www.schildburghausen.de.

 

Wie Bertolt Brecht sagen auch wir:

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!

Wir sagen aber auch, Demonstrationen und Kundgebungen gehören zu den Grundvoraussetzungen der Demokratie, egal, ob sie braun, rot, bunt oder farblos sind. Freiheit zu leben, heißt aber, mit der Demokratie, verantwortungsbewusst umzugehen und auch manchmal gegen den Mainstrom zu schwimmen. Uns treibt mit den zusammengetragenen Materialien die Sorge um, dass es sehr einfach geworden ist, mit der Demokratie beliebig und damit verantwortungslos zu spielen. Auf den von uns mehrfach zitierten Satz des tschechischen Schriftstellers, Menschenrechtlers und Staatspräsidenten Václav Havel (1936 – 2011) wollen wir auch hier nicht verzichten:

Der Nachteil der Demokratie ist,
dass sie denjenigen, die es ehrlich mit ihr meinen,
die Hände bindet.
Aber denen, die es nicht ehrlich meinen,
ermöglicht sie fast alles.

zur Seite  Schicksalsjahr 1945

  • Lisa  schreibt:

    Dem Lob für die neue Seite zum Jahr 1945 in Hildburghausen schließe ich mich begeistert an. Toll! – Aber auch die Kritik am Erfurter Regierungsunwesen ist phänomenal und kaum zu übertreffen. Es ist schon rätselhaft, weshalb Ramelow beim Klettern auf der Karriere-Leiter ausgerechnet auf die alte Schindmähre SED – oder wie sie gerade heißt – setzt. Vermutlich ist der gelernte Krämer in der Regierung des Freistaates Thüringen auch nur für die gute Laune oder seine antrainierte Strahlkraft zuständig.

  • Kerzenlicht 2015  schreibt:

    Bemerkenswert und über alles Lob erhaben, was Ines und Hans-Jürgen für Hildburghausen auf die Beine gestellt haben, und das alles so nebenbei. Respekt! — Unbeeindruckt kann man aber von der Provinzpolitik aus Erfurt sein. Sprüche, Sprüche, Sprüche und sogar eine Ramelowsche Pappnase zu Fasching. Die passt wirklich zu dem Narrenvolk, das ihm hinterherläuft. Noch nicht mal ein Haushaltsplan. Wann war eigentlich die Wahl für diese Legislaturperiode? Unglaublich, mit welch weltbewegenden Dingen sich die Rotlinge abgeben. Probiert es mal mit Arbeit und nicht nur mit Absichtserklärungen und Postenschachereien. Es reicht nicht, als Ministerpräsident kein dummes Zeug zu machen. Urlaub nach der Inthronisation gehört gewiss zu den kleinen Dummheiten, nicht wahr, Herr Ramelow, auch wenn Ihnen als gewesenem Gewerkschaftsfunktionär auch Urlaub zusteht? Bei diesem sehr guten Gehalt, muss doch ein respektables Ergebnis kommen. Die Zeiten der 100-Tage-Frist für Politiker ist längst vorbei. Von einem Arbeitnehmer und noch mehr von einem Manager muss von der ersten Minute für das Geld der Steuerzahler hart, aber knallhart gearbeitet werden und nicht nur der Medieneffekt – also der Kamera- oder Mikrofonstandort – erhascht werden. Außer heißer Luft kam aber aus Erfurt noch nichts, das ist Murks, noch nicht mal genialer. Im Land ist nicht nur Stirnrunzeln zu bemerken, sondern Gelächter. Nil ex nihilo – Von nichts kommt nichts.

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