Denk‘ ich an die Welt am frühen Morgen oder

Nicht mal herbstlicher Glanz

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Frau Schildburg:

Man traut sich ja vor Arbeitsbeginn weder das Radio aufzudrehen, sich im Internet oder in der Lokalpresse zu informieren. Trump und Clinton sind die unbeliebtesten Präsidentschaftskandidaten, die es überhaupt jemals in Amerika gab, und die halten die Menschheit in Atem, beschäftigen weltweit eine Armee von Kommentatoren, Analysten und Profibesserwissern. Der Ausgang ist Show.
Der Hildburghäuser Haushalt ist endlich mit einer roten Null ausgeglichen. Wenn man darüber nachdenkt, wie Städte und Gemeinden in wirtschaftsstarken Jahren um die Finanzen kämpfen müssen, wird einem schlecht. Die Kanzlerin verspricht kreuz und quer durch die Welt Geld, nur für das eigene Volk scheint so sehr viel nicht mehr übrig zu bleiben. Und das glorreiche Kabinett des tapferen Bodo ist bei jedem Fotoclick präsent. – Wer weiß, wo das endet, denn ein neues Volk kann man sich nach Volkes Willen nicht schaffen. Und wenn es ein neues gäbe, sind Dankbarkeit und Identität die nächsten Probleme.

Herr Hausen:

Ob beliebt oder unbeliebt, ist mir reichlich egal. Du siehst, wie der jetzt aus dem Amt scheidende vielgepriesene Hoffnungs- und Friedensnobelpreisträger aus den Staaten alles ein wenig unerledigt hinterlässt. Nett und smart schaute er acht Jahre in die Kameras, jettete durch die Welt, zelebrierte einprägsame und heroische Sätze. Für die Arbeit zum Wohl der Menschheit reicht das nicht. Vielleicht hat er auch die Unfähigkeit der Regierenden verstanden, dass das Regieren den Regierenden längst über den Kopf gewachsen ist. Und knurren wie ein Tiger, dazu braucht man noch nicht einmal schauspielerisches Talent. Wer spricht heute noch von der Finanzkrise in Deutschland? Deutschland wird immer reicher und mächtiger, und niemand merkt so richtig, dass wir mit der Finanzkrise erst am Anfang stehen.
Und im lokalen Bereich, dazu zähle ich Thüringen, sieht es nicht anders aus. Stell‘ dir vor, die vielgescholtene CDU hätte dem damaligen Bürgermeister a.D. und der Stadt nicht kräftig mit Geldnachschüben unterstützt, wäre manches überzogene Projekt in der Planung schon Geschichte geblieben. Wo das noch endet, kann ich dir wenige Tage vor dem 26. Jahrestag der Deutschen Einheit sagen, dass das bisher brav hinterhertrottende Wahlvolk die Nase voll hat. Aber ich will mich zurückhalten. Wenn du heutzutage das Wort Volk in den Mund nimmst, bist du schon verdächtig. Es ist eben so, was einem da am frühen Morgen erwartet, sind kaum nutzvolle Problemlösungen, sondern organisierte wichtigtuerische Verantwortungslosigkeit, vielleicht auch nur gepflegte Gleichgültigkeit.

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