Der herumgackernde Hühnerhaufen im Kanzleramt

Hühnerhaufen

Frau Schildburg:

Da hab‘ ich aber jetzt im Urlaub Bauchschmerzen bekommen. Das gute Essen war es nicht. Zwei Meldungen von www.t-online.de sind es vor dem Mittagessen am 2. September 2016. Die Kanzlerin distanziere sich von der Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages, Stunden später besänftigt Regierungssprecher Seibert: „Davon könne nicht die Rede sein.“ Und auch aus dem Außenministerium kommen nur schöne Worte über Herrn Steinmeier. – Jetzt sind wir aber im Bereich der Charakterlosigkeit. Mit aller Konsequenz wird die deutsche Glaubwürdigkeit ausgetreten. Ich denke, dass ich die Welt noch einigermaßen verstehe, viele meiner Mitbürger haben da wohl Probleme. Vielleicht habe ich in meiner ungestümen Art nur alles falsch aufgefasst. Das wird es sein.

Herr Hausen:

Ein wenig Selbstachtung der Regierenden wäre vonnöten, auch wenn man das Wort Nationalstolz nicht mehr in den Mund nehmen darf. Deutschland verliert sein Gesicht, selbst für Kabarettisten ist es peinlich, darüber Texte zu formulieren. Vielleicht kommt noch jemand auf die wahnwitzige Idee, an der Glaubwürdigkeit des Potsdamer Abkommens herumzurühren und es als Missverständnis zu bezeichnen. Völkermord ist nun einmal Völkermord, höchst problematisch ist es jedoch, die Schuld des deutschen Kaiserreiches kleinzureden, das das Verbrechen seines Kriegsbündnispartners hätte stoppen können, aber man brauchte die Türken für andere Kriegsziele. Die Damen und Herren Formulierer im Bundeskanzleramt, in allen Parteien und Wählergruppierungen sollten sich in einer schlaflosen Frühstückspause oder freitags nach Eins mit historischen Tatsachen beschäftigen, auch für eine Naturwissenschaftlerin wäre das gut.

Gerne bemühe ich Heinrich Heine („Deutschland, ein Wintermärchen“, Caput I)

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Mit wem darf man gegenwärtig in Deutschland das Himmelreich errichten, das ist hier die Frage!

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