Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.

wahrheitphilosop

Frau Schildburg zu Herrn Hausen:

Hat das nicht Shakespeare in „Othello“ gesagt und heißt es nicht: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.“?

Herr Hausen:

Nein, mit Shakespeares „Othello, der Mohr von Venedig“ hat das Zitat überhaupt nichts zu tun. Der Satz stammt aus Schillers „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“. Er hat auch nie das Wort Schuldigkeit gesagt, sondern er sprach von „Arbeit“, und diesen Satz ließ er den Spitzbuben und Intriganten Muley Hassan, den Mohren von Tunis, sagen. Der Satz wurde zum „geflügelten Wort“ in der Umgangssprache, und Arbeit wurde mit Schuldigkeit ersetzt.

Frau Schildburg:

Wieder was gelernt unn kä Hieb gekriegt“, das sagt man in unserer Gegend sehr treffend. Also, erst wissen und dann reden und nicht dummschwätzen.

Herr Hausen:

Richtig, liebe Schildburg! Oft genug hab’ ich mir den Mund verbrannt, weil ich beharrlich sagte, dass sich manche Leute, die diese schwerwiegende Entscheidung im Stadtrat zu fällen oder gefällt haben, sich nur unzureichend mit der Thematik beschäftigt haben. Gerne lasse ich mich für diese Haltung rückwärtsgewandt betiteln oder als arrogant. – Und ehe man gebetsmühlenhaft den Satz „Die Wahrheit macht frei!“ in dieser Angelegenheit bemüht, sollte man auch gründlich nachdenken. Eine mir unbekannte Pastorin hat diesen Satz gezielt in die Exhumierungs-Diskussion gebracht, und er ist von den Protagonisten der Exhumierung eilfertig nachgeplappert worden. Der äußerst zwiespältige Satz ist oft genug in Informationsveranstaltungen und in Pressebeiträgen als Argument zitiert worden. Empfehlenswert wäre es, sich die betreffenden Bibelstellen genau anzuschauen und den Satz auch philosophisch zu interpretieren. Vor allem sollte man auch darüber nachdenken, wie oft der Satz von Gegnern der Demokratie, also von strohdummen rechten und linken Ideologen, missbraucht wurde und noch missbraucht werden wird. Die Theologin weiß wohl selbst, dass man mit solchen Zitaten verantwortungsbewusst umgehen sollte.

Frau Schildburg:

Das war viel. Darüber muss ich nachdenken.

Herr Hausen:

Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass sich die Zivilisiertheit eines Gemeinwesens (von mir aus auch einer ganzen Gesellschaft) im Umgang mit dem kulturellen Erbe zeigt und nicht mit Leichtfertigkeit.

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