Die leeren Lehren von Schmölln oder

zum Begräbnis der Wahrheit gehören viele Schaufeln

92fefb0cef98537dd8123dd391de6e12v1_max_755x425_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2

Frau Schildburg:

Am heutigen Tag sind wegen des schrecklichen Vorkommnisses in Schmölln zwischen uns beiden seit 6 Uhr einige E-Mails gesendet worden, nicht nur weil die Berichterstattung naturgemäß immer hinterherläuft, aber schon Meinungen, Erkenntnisse oder Lehren wie mit großen Fußstapfen im Dullich (Kartoffelbrei) breitgetreten werden. So möchte ich nicht informiert werden. Nicht die schnelle Nachricht ist für mich wichtig, sondern die seriöse. Was gesagt oder geschrieben wird, bleibt haften, vor allem, wenn es oberflächlich geschieht. Die Gegner der wirklichen Demokratie, die in Deutschland in einigen Parteien zu finden sind, brauchen doch kaum noch nachzudenken, sie müssen sich nur der Meldungen bedienen. Mehr interessiert doch nicht, denn alle paar Stunden wird erfahrungsgemäß ein neues Schwein durchs Dorf gejagt.

Herr Hausen:

Die journalistischen Orientierungen sind teils sehr einfach. Es muss schnell etwas geschrieben werden, ein anderer könnte zuvorkommen. Es geht ums Geldverdienen. Die Recherche allumfassend zu betreiben, ist schon schwierig, und die entgegengesetzte Tatsache ist kaum vermittelbar. So endet das tatsächliche Ereignis oft nach Tagen, Wochen oder Monaten in einer Dreizeilen-Meldung und anderem Ausgang. Das kommt mir manchmal höchst albern vor – wie in den modernen Märchenfilmen um James Bond, auch wenn im Auftrag Ihrer Majestät die Wahrheit siegen soll, bei dem auch die Grundgesetze der Physik serienweise außer Kraft gesetzt werden. Die Leute sind eben auch irrsinnsgläubig. Nimm alle Zeitungen mit Berichten, Kommentaren, Leserbriefen sowie Rundfunksender, die TV-Sender, das Internet seit dem heutigen Montag zusammen, da kommst du auf einige tausend Beiträge zu dem grauenhaften Ereignis in Schmölln. Die meisten Damen und Herren Verfasser verdienen auch Geld im Dienste der Wahrheit damit und manipulieren bewusst oder unbewusst. Wenn es nicht in den gewünschten Demokratiefluss oder in das jeweilige zusammengebastelte Demokratieverständnis passt, bist du als Normalbürger ein Hetzer, zumindest ein Populist und dann auf alle Fälle ein Rechter. Wer ist eigentlich kein Populist? Wer nicht populär ist, wird nicht gewählt, egal für welche politische Richtung er steht. Cui bono? Wem nützt es? Es muss einen entschiedenen Wandel von der Meinungs-Selbstherrlichkeit zur Ehrlichkeit geben. Viel ist über Wahrheit und Wahrhaftigkeit philosophiert worden. Halten wir es mit unserem Jean Paul, vor reichlich zweihundert Jahren sagte er: „Um zur Wahrheit zu gelangen, sollte jeder die Meinung seines Gegners zu verteidigen suchen.“ Und ich würde noch hinzufügen: „… und sich nicht den in Mode gekommenen Überzeugungen anschließen, „… denn Überzeugungen sind oft die gefährlichsten Feinde der Wahrheit“. – Nietzsche hat es so formuliert. Aber wer kennt die beiden klugen Leute schon?.

  • Drachentöter 2.0  schreibt:

    Wenn man an dieser Stelle die alten Lateiner bemüht, möchte ich anfügen: „De omnibus dubitandum! “

    Ich sehe es ebenso, Jean Paul, Nietzsche aber auch Immanuel Kant sollte zur Pflichtlektüre in den Schulen werden. Liest man die drei Werke von Kant:“Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der Urteilskraft“, so können die nachfolgenden Generationen etwa über Empathie lesen und sich große Teile zu eigen machen. Doch ist das erwünscht?
    In der heutigen Zeit sind die Medien gleichgeschaltet und sie geben die Meinung des Mainstream wieder. Die Diktatur ist am europäischen Horizont schon zu erkennen.

Hinterlasse einen Kommentar:

Hinterlasse einen Kommentar

Sie können diese HTML-Marken und -attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>