Geheimhaltung: Vor dem Lesen verbrennen


schwarzekatze3

Frau Schildburg zu Herrn Hausen:

Als ich heute das Blättchen las, fiel mir das oberste Prinzip der DDR-Geheimhaltung ein: Vor dem Lesen verbrennen!
Geht mich ja nichts an, aber, nachdem ich mich Hunderte Stunden mit der Thematik um unsere Madame Royale beschäftigt habe und du vermutlich noch mehr, schlägt mal wieder die Wissenschaft zu.

Herr Hausen:

Was du mir da an Interessantem schreibst, ist jenseits meines Verstandes, nicht weil ich nicht dazulernen möchte, sondern weil diese historische Weitsicht für mich grandios ist. Spaß beseite: Sie passt ganz einfach in das altbekannte Schema. So alle drei Jahrzehnte schwabbt – vielleicht wabert es auch nur neblig am Stadtberghang – neuer Abenteurergeist um die Lösung des Rätsels von Hildburghausen ins Städtchen. Und kurz darauf gibt es immer einen Punkt, an dem sich die angeblich seriöse Wissenschaft gänzlich zurückzieht und sich kaum ein ehrenwerter Wissenschaftler an die Thematik heranwagt, weil er bei seinen Berufskollegen in Verruf geraten könnte. Und irgendwo gibt es dann eine staubige Dorfstraße mit einem löchrigen Bretterzaun, und dahinter steht ein Mopsgedackelterwindhundspinscher, an dessen Schwanz einer herumdreht, damit das brave Hundchen auch wirklich kräftig bellt.

Frau Schildburg:

Und dann kommen mannhaft-tapfere, das Grab verteidigende und sich heute noch a. D. nennende Bürgermeister und mischen in Unkenntnis mit. Wie es um den wankenden Stand der mutigen Stadträte steht, ist mir nicht bekannt. Da war wohl eine Menge Yellow-Press-Geist dabei. Eine Menge Geld, Öffentlich-Rechtliches, ist verbraten worden, und das Image eines Geheimnisses einer Stadt ist auf dem Altar der Eitelkeiten lächerlich preisgegeben worden.

Herr Hausen:

Das Rätsel ist schon rätselhaft. Deutlich sagte ich vor dem Ausbuddeln, in gehobener Sprache heißt es „Exhumierung“, dass es keinen Hinweis gäbe, dass die französische Königstochter, die landläufig als „Dunkelgräfin“ bezeichnet wird, am Stadtberg läge, das hat übrigens, da muss man kein Kaffeesatzleser sein, der Dunkelgraf selbst gesagt. Und ich habe es ebenfalls deutlich in der Informationsveranstaltung im „Bürgersaal“ in Anwesenheit des Fernsehteams bemerkt, im Blättchen war es auch zu lesen. Aber das Zuhören war damals nicht so wichtig, ging es doch nur darum, einer Maßnahme einen demokratischen Anstrich zu geben, Demokratie ist so leicht verführbar, die vielbeschworene δημοκρατία, die Herrschaft des Staatsvolks. – Aber das ist mir reichlich wurscht, solange dieser Mist im Netz wabert und die Menschen fehlerhaft informiert werden, ärgert es mich.

Frau Schildburg:

Da wollen wir doch lieber Ignoranten und Ewiggestrige sein. Unsinn muss man oft genug erzählen, dann erst hat er die Chance, zur Wahrheit zu werden. Ich denke, wir sollten uns mal daranmachen, ein gutes Dutzend und teils simple Widersprüche aufzulisten, die für eine Bachelorarbeit sicherlich nur warme Luft bedeuten. Aber was soll‘s, ich kenne den Herrn Verfasser ohnehin nicht.

Herr Hausen:

Na, da habe ich doch gleich noch eine staatstragende Idee. Wenn die Luft transportierende Eisenbahn nach Bad Rodach gebaut wird, müsste zumindest auf Höhe das ehemaligen Cafés Schulersberg ein Bahnhof erbaut werden, eine Haltestelle wird wohl nicht ausreichen, um die Touristenströme zu kanalisieren. Ein paar zig Millionen Euronen haben wir doch sicherlich übrig, wenn es nicht für Spielplätze reicht. Tja, Hildburghausen wird in Birkenhäselrabshausen noch weltberühmt. So muss es sein!

Hinterlasse einen Kommentar:

Hinterlasse einen Kommentar

Sie können diese HTML-Marken und -attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>