Ich glaub’, mein Schwein pfeift

marx

Frau Schildburg zu Herrn Hausen:

Ich glaub’, mein Schwein pfeift!

Herr Hausen:

Liebe Schildburg, das ist ja mal wieder ein kecker Spruch aus der Abteilung „Gassendeutsch“.

Frau Schildburg:

Wieso? Man wird doch noch mal staunen dürfen, oder fällt das auch schon unter das dämliche Schlagwort aller Gutmenschen: „political correctness“. Auf der Linken-Homepage fand ich eine Erklärung ihrer drei Führungspersönlichkeiten (Führer darf man ja nicht mehr sagen, auch wenn es einen Führerschein gibt) Kipping, Riexinger und Gysi unter der Phrasenzeile:

Brücken bauen – Zeit für eine neue Erinnerungspolitik

 

Herr Hausen:

Das machen sie immer so, dass sie die Welt „neu“ erfinden und der staunenden Menschheit die bekannte Sicht der Dinge „neu“ erklären, das sind die Geschichten aus der Murkelei, aus Hans wird Kasper.

 

Frau Schildburg:

„Ein Vierteljahrhundert nach diesen Ereignissen ist es Zeit, vor allem jenen zu danken, die damals die Mauer von Ost nach West zum Einsturz brachten. Hunderttausende gingen auf die Straßen und läuteten ein historischen Wandel ein, der für viele von ihnen in dramatische biografische Brüche mündete. Wir würdigen diese Menschen, die sich in stürmischen Zeiten behaupten mussten und den politischen, ökonomischen und sozialen Wandel gestaltet haben …

Also, den Antifaschistischen Schutzwall haben wir umgeworfen, und das beklatscht diese Brut lauthals, und das glauben deren Fans auch noch. Und dann geht das Gesülze weiter: „Bis heute ist die Erinnerung an die DDR eine umkämpfte Geschichte …“

 

Herr Hausen:

Hatten die linken Spinnerchen von Krenzens- und ND-Gnaden nicht von einer Wende gesprochen? Ein schlimmes Wort. So ist ihre Denkweise, aber eher würde die Werra von Hildburghausen nach Eisfeld fließen, in deren Augen bleiben wir beide wohl immer Unpersonen. Die Ministerpräsidentin hat mir die Auszeichnung übrigens schon überreicht, ein Linker hat mir nicht gratuliert. Bei einem linken Landeschef würde ich eine Ehrung strikt ablehnen. Es reicht, ich kenne diesen Text, ich kenne die Damen und Herren Verfasser. Mir bleibt auch nicht der Kloß im Halse stecken. Letzte Woche waren wir beide noch für einige Provinzlinke Hassprediger, einseitige und unversöhnliche Hetzer und, und, und. Und unsere beiden Homepages waren eine Unverschämtheit. Und jetzt zollt man uns Dank! Wir schreiben heute nicht anders. Grauenhafte Vision, was da in Erfurt passieren soll, was aus meiner Sicht nie geschehen darf. Merken die Sozialdemokraten und die Bündnisgrünen nichts, unsere Verbündeten von 1989/90. Mit ihnen gemeinsam haben wir unsere Freiheit und Gesundheit riskiert. Aber dieser Wandel hat System, und die linken Koalitionspartner sollten sich nicht linken lassen, auch wenn sie begierig nach der Macht lechzen.

Ernsthafterweise müsste ich hier einen Spruch des Historikers Professor Heinrich Gemkow (Herausgeber der MEGA [Marx-Engels-Gesamt-Ausgabe] einflechten. Gesagt hat der Vizepräsident des Kulturbundes der DDR ihn in gemütlicher Runde bei einer Konferenz in Rostock Anfang der achtziger Jahre. Aus meinem Kopf verschwand das uns unterschlagene Marx-Zitat nie: „Alle Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, dass sich vieles verändern lässt, bloß nicht die Menschen.“

Frau Schildburg:

Das lässt tief blicken. Lieber Marx, äh, lieber Hausen, mir schwirrt der Kopf. Da haben uns die Genossen – nicht nur im früheren Leben – aber eine Menge Weisheiten des Urvaters aller Sozialisten vorenthalten.

 

Herr Hausen:

Richtig! Die tiefroten sind auf dem Misthaufen der Geschichte gelandet. Biermann formuliert es etwas anders. Als Linker mag er diese Mutanten auch nicht, vielleicht mag Schorlemmer sie, unergründlich! Geändert hat sich der Name: SED – SED-PDS – PDS – Die LINKE, und Marx und marxistisch sind nie und nimmer identisch. Auch dieser Satz stammt von Karl Marx: „Alles, was ich weiß, ich bin kein Marxist!“

 

Frau Schildburg:

Ich glaub’, mein Schwein pfeift tatsächlich!

  • Johne916  schreibt:

    Thank you for your blog article. Great.

  • Gerd Krauß  schreibt:

    Hallo Herr Schmeiß Hirn runter,
    erst einmal Gratulation für den ausgewählten Nickname.
    Dem, was Du schreibst, muss ich aber so was von widersprechen.
    Erst zu den Feierlichkeiten zu 25 Jahre Friedlichen Revolution in der DDR, saß der kleine Winkeladvokat aus Berlin, dem man mit Fragen auf die Toilette hetzte, in einer Talkshow und sprach unablässig von der „WENDE“. Selbst die nette Frau Kipping und auch die Frau Sitte benutzen diesen Terminus ständig.
    Doch bei diesen Leuten kann es mich nicht einmal aufregen. Sie wissen es nicht besser.
    Doch die Journalisten im TV, Radio und auch die Filmemacher benutzen „WENDE“ ständig, so, als ob sie nie etwas von der Friedlichen Revolution gehört haben.
    Viele Grüße
    Gerd

  • Herr Schmeiß Hirn runter  schreibt:

    Tolle Truppe, DIE LINKE. Das Wort Wende gehört nicht mehr zu ihrem neokommunistischen Sprachgebrauch.

  • Gerd Krauß  schreibt:

    Lieber Hans-Jürgen,

    den Dank muss ich Dir sehr gern zurück geben.
    Und ganz besonderen Dank der SED und dem Schild u.Schwert der Partei.
    Sie haben es wahrhaftig geschafft, dass wir heute Freunde sind und uns gemeinsam von dem kleinen Advokaten aus Berlin und den ehemaligen Krämer aus dem bösen, imperialistischen und revanchistischen Staat BRD belehren lassen dürfen.
    Ich freue mich immer wieder, wenn ich zu den 25 oder 30 Standartsätzen unseres neuen Ministerpräsidenten in Parkposition, einen positiven Kommentar abgeben darf.
    Was würden wir sonst mit unserer Rentnerzeit anfangen? Rote Nelken auf dem Balkon züchten?
    Sei recht herzlich mit einem allzeit gültigen und etwas abgewandelten Spruch und der geballten Faust gegrüßt:
    „Das Vergehen der roten Brut in ihrem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf!“

    Dein Gerd

  • Hans-Jürgen Salier  schreibt:

    Lieber Gerd,
    unendlich bin ich Dir dankbar für die parteiliche Haltung, dass Du mir mitteilst, dass die SED die Revolution eingeleitet hat. An gebührender Stelle werde ich mich für meine fünfundzwanzig Jahre währende Hetze entschuldigen und sozialistische Selbstkritik üben, dass meine Vergesslichkeit nicht funktioniert. Über einen Geschichtsirrtum wollte ich Dich noch aufklären. Die heldenhafte LINKE, u. a. mit Gregor, dem Hirten, an der Spitze, hat uns befreit und steuert, vorerst in Thüringen, glorreichen Zeiten entgegen. Die DDR ist nicht in die Knechtschaft der Bundesrepublik Deutschland geraten, sondern dieses imperialistische und menschenverachtende Staatsgebilde hat sich rettend in die Arme der Deutschen Demokratischen Republik geflüchtet. Ist das nicht wunderbar? Übrigens, wir müssen noch sehr viel schreiben. Dankbar bin ich natürlich auch, dass wir beide zu Freunden geworden sind. Ohne die SED und ihre Misswirtschaft wäre das gar nicht möglich gewesen. Es lebe die unverbrüchliche Freundschaft zu Kipping, Riexinger und Gysi an der Spitze! „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“
    Mit national-frontalen Grüßen
    Dein Hans-Jürgen Salier

  • Gerd Krauß  schreibt:

    Lieber Hans-Jürgen,
    Du musst da etwas gehörig missverstanden haben.
    Es war Krenz, der nach seiner Wahl zum Staatsratsvorsitzenden der DDR und Generalsekretär der SED gewählt wurde, dem Sender „1199“ ein Interview gegeben hat und er sagte, dass die SED sich erneuert und den Wünschen des Volkes nachgehen wird und er will „arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten“.
    Die Arbeitswut der SED schallte bis in den Thüringer Wald.
    Wir haben in dieser Zeit nichts für die Erneuerung getan!
    Und schaut man richtig hin, so wirst Du es auch sehen und mir Recht geben, wir haben mit der Kerze in der Hand uns um unsere Immobilien für die Zukunft gekümmert. Darum die Märsche durch Hildburghausen (natürlich auch in vielen anderen Städten), um nach günstigen Häusern Ausschau zu halten.
    Und nachdem Schabowski die berühmte Pressekonferenz abgehalten hat, so war das Ergebnis, die Grenzöffnung das Verdienst von Krenz und der SED-sie haben den antifaschistischen Schutzwall zum Einsturz gebracht und dem Ganzen den Namen „WENDE“ gegeben.
    Was hat das alles mit uns zu tun?
    Wo war eine Friedliche Revolution? Doch nicht in der DDR!
    Die „WENDE“ ist nun zu spüren, von einem SED-Verbrecherstaat zu einer dumm schwatzenden „LINKSPARTEI“.
    Was wollen sie auch tun als die Geschichte verfälschen, das war doch ein Thema an den Parteischulen und ihren Parteile(e)hrjahren.
    Müssen wir das dummdreiste Gestammel überhaupt thematisieren?
    Lassen wir uns doch nicht von unqualifizierten Sprüchen auf die Toilette jagen… 🙂

  • Hengstenberg  schreibt:

    Aber bitte nicht die LINKEN mit Karl Marx gleichsetzen. Karl Marx war ein fleißiger Denker (auch mit genügend Fehlern in seinem menschlichen Handeln); die Linke scheint mir ein Konglomerat der gefährlichen Unfähigkeit insgesamt zu sein, die es überall zu verhindern gilt.

  • Hans-Jürgen Salier  schreibt:

    Liebe Reinhilde,
    vielen Dank für Ihre Frage. Erinnern Sie sich bitte:
    Am 18. Oktober 1989 tritt der SED-Generalsekretär Erich Honecker angeblich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Das Politbüro des Zentralkomitees der SED, das Übel der kommunistischen Diktatur, sieht sein Heil in der Flucht nach vorn, um sich ihre Pfründe zu sichern. Der Nachfolgeparteichef Egon Krenz beharrt auf dem Führungsanspruch der SED und kündigt vollmundig eine WENDE an, bei der der Sozialismus nicht in Frage gestellt wird. Das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ kreiert die politische Sprachschöpfung „Wende“ zwei Tage später. So ungefähr, als sei das alles ein Spaziergang, eine kleine Wende mit der SED sowie Herrn Krenz und weiter. Es war ja alles nicht so schlimm. Es sind ein paar Fehler gemacht worden. Wir braven Sozialisten müssen heute dafür büßen, dass einige wenige unmoralisch gehandelt haben. Das wirkt bis heute. Und den Protagonisten der SED und vielen ihrer Nachfolger kommt das Wort Revolution nicht über die Lippen. Wer diese Revolution abstreitet, hat seine Gründe. In dem demagogischen Papier der LINKEN-Führung wird auch das Wort Revolution geleugnet. Sie sollten sich den Text auf der Linken-Homepage auf der Zunge zergehen lassen, eine Unverschämtheit ohnegleichen. Wir sind der Meinung: Nicht das System hat Fehler gemacht, sondern das System selbst ist der Fehler. Das ist eine Revolution gewesen und keine Wende, sie ist Teil der europäischen Freiheitsrevolution, wie es Hans-Dietrich Genscher im Vorwort eines von Bastian und Hans-Jürgen Salier vor anderthalb Jahrzehnten geschriebenen Buches „Es ist Frühling und wir sind so frei“ formulierte. – Wie lange wollen denn die Deutschen solchen Verführern noch auf den Leim gehen?

  • Hildburghäuser  schreibt:

    Zu diesem Thema ist übrigens aktuell ein Taschenbuch von Stefan Blankertz erschienen „Mit Marx gegen Marx“.
    Obwohl ich sagen muss, dass der Titel etwas missverständlich ist.
    Besser wäre „Mit Marx gegen die linke Auslegung von Marx“, für einen Buchtitel aber etwas lang.
    Das Buch kann ich allen empfehlen (auch unseren Genossen), bestellbar in jeder Buchhandlung bzw. beim größten Onlinekapitalisten (fängt mit „A“ an).

  • Reinhilde  schreibt:

    Wieso ist WENDE ein „schlimmes Wort“?

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