Instinkt und Vernunft

Frau Schildburg zu Herrn Hausen:

 Ach, lieber Hausen, da waren sie wieder, meine Probleme der letzten Woche, weit entfernt von Instinkt und jeglicher Vernunft. Die vorgegaukelte Moral verkleistert die Sicht der Menschen im Informationszeitalter. –
Die „Südthüringer Rundschau“ habe ich mit meiner linken Hand gar nicht aus dem Briefkasten heben können. Zu linkslastig war sie, rechts musste nachhelfen. Aber vorher habe ich mich noch umgeschaut, dass es ja keiner bemerkt. Manche machen alles nur noch links, und so sieht es auch aus. Gleichzeitig geisterte mir immer diese Drohung vom tapferen Bodo, dem Thüringer Nichtregierer, durch den Kopf: „Linke will stärkste Partei im Freistaat werden.“ Stärkste Partei, stärkste Partei … o Gott, wie soll das funktionieren? Da werden wir aber den lieben Gott nicht bemühen, der kann für diesen Fehlwurf des PR-Manns nicht zuständig sein. Zur Landtagswahl 2014 hatten sie noch 28,2 %, drei Jahre später bei der Bundestagswahl 17,6 %. Vergleichsoperationen sind Grundschullehrplan. Da liegt auch ein falsch interpretierter Umkehrschluss vor. Und noch eine Frage: Haben die noch Personal? Da ist doch keiner mehr aus Thüringen, alles Exportierte.

Herr Hausen:

 Ach, Schildburg, das ist doch nicht dramatisch, vielleicht lassen sich noch Vergleichsoperationen bis 2019 per Gesetz regeln, Vorschaltgesetz oder so? Das ist die Gratwanderung zwischen Instinkt und Verstand. Anzunehmen, man könne durch Abschaffen und Überwinden des sogenannten Althergebrachten, Unvernünftiges durch einen geplanten Entwurf ersetzen, das sind doch die Methoden dieser Partei, die nicht umsetzbaren Grundgedanken des Sozialismus. Dass das auf Dauer nicht funktionieren kann, haben sie allerdings nie verstanden. Vielmehr treten sie scheinbar nur für ihre eigenen Interessen ein. Der Beweis ist die Pressemitteilung vom letzten Samstag, worin der Steuerzahlerbund zu hohe Personalausgaben kritisiert, die mehr als ein Viertel des Haushalts einnehmen, „Tendenz steigend!“ Im Bundesvergleich leistet sich das kleine Land Thüringen die höchsten Personalausgaben? Ob Thüringen nun 150 Jahre oder 200 Jahre seine Schulden zurückzahlen muss, wen interessiert das noch!

Frau Schildburg: 

Nein, so denke ich nicht! Es trifft vielleicht unsere Urururenkel? Und genau deshalb müssen wir darüber nachdenken! Natürlich versucht Die LINKE. wie in einem Leserbriefbeitrag bemerkt, die Schulden der vorherigen Regierung anzulasten. Schuld haben immer die anderen. Das ist das Motto ihrer Regierungstätigkeit. Trotzdem stammen sie zu einem großen Teil aus den ökologischen Altlasten, also den industriellen Umweltschäden aus DDR-Zeiten, so aus dem Tagebau.
Mir scheint, das ist das herausragende Motiv linker Politik und linken Handelns. Das sogenannte Streben nach Gerechtigkeit und Gleichheit der Verteilung gesellschaftlich geschaffenen Reichtums entpuppt sich als Eigennutz? Man findet auch darin keine überzeugenden Antworten auf die realen Probleme der Gegenwart. Vielmehr erkennt man in der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung nur die skandalöse Wiederauferstehung historischer Gespenster. Man versucht, sie zu vertreiben, am besten endgültig. Das Gespenst der AfD geht um, o wie gruselig …

Herr Hausen: 

Ein Gespenst? Eher wohl der wahnwitzige Irrglaube, dass es eine politische Freiheit ohne wirtschaftliche Freiheit nicht geben kann, genauso wenig wie eine Demokratie ohne Marktwirtschaft funktionieren wird, niemals. Das ist wie ein Auto ohne Motor, man kann sich zwar hineinsetzen und diskutieren, bis man sämtliche Farben annimmt, von mir aus auch bunt, damit man uns nicht noch Rassismus unterstellt, doch das Auto wird niemals fahren. Aber wenn die Menschen und Verantwortlichen nicht begreifen, dass Freiheit auf den Fundamenten einer freien Marktwirtschaft basiert, werden wir wieder dort landen, wo wir begonnen haben.

Frau Schildburg: 

O, Hausen, das habe ich sogar verstanden … Man darf die Augen nicht verschließen, denn

„Immer noch haben jene die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen.“

(Friedrich Hölderlin, 1770 – 1843, deutscher Dichter)

Hinterlasse einen Kommentar:

Hinterlasse einen Kommentar

Sie können diese HTML-Marken und -attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>