Mythos und Wahrheit

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Frau Schildburg zu Herrn Hausen:

Mir geht dieser Interessenkreis „Madame Royale“ nicht aus dem Kopf. Ich werde das Gefühl nicht los, dass doch die damaligen Auftraggeber dahinter stehen könnten.

Herr Hausen:

Ja, mysteriös ist diese Inszenierung schon. Es gibt ja auch einige Regiefehler, über die man noch reden sollte. Auch wenn ich kein Anhänger von Verschwörungstheorien bin, grübele ich schon lange darüber. Der Verdacht wurde öfters geäußert. Unmittelbar nachdem sich der Herr Demokrat noch vor das Grab legen wollte, tauchte Herr Meyhöfer bei Helga Rühle v. Lilienstern auf und zeigte großes Interesse für das Geheimnis. Er sog sich voll mit ihren Informationen und bekundete Sympathie. Nur wenig später entstand der Interessenkreis mit seiner Website, und er versuchte, einige Theorien ohne Anhaltspunkte zu widerlegen. Auf dem 7. Symposium sorgte Meyhöfer dafür, dass seine Theorien im Mittelpunkt standen. Beim Dokumentarfilm des mdr „Die vertauschte Prinzessin“ aus dem Jahr 2007 haben die Hildburghäuser ebenfalls ihm den Schlusssatz zu verdanken: „Madame Royale lebte mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in Hildburghausen.“ Aber nicht nur das, sondern einzige Vertreterin der Vertauschungstheorie war Frau Rühle v. Lilienstern, die sich in der Dokumentation äußern durfte. Das war schon sehr parteiisch. Meyhöfers Schrift ist zudem in zig Passagen leicht widerlegbar, auch angesehene Wissenschaftler haben erhebliche Mängel festgestellt. Den Kontakt hat er nie gesucht. So „erhaben“ kann doch ein Forschender oder Suchender gar nicht sein. Dagegen hat er im Internet zig Spuren hinterlassen, vor allem kontaktfreudige, alle Medienbereiche, selbstverständlich sind auch der mdr und der Interessenkreis reichlich verlinkt. Aber das ist ein großes und bemerkenswertes Thema, das später einmal beleuchtet werden könnte.

Frau Schildburg:

Das sehe ich genauso, es ist kaum zu glauben, dass sich so etwas über Jahre akribisch planen lässt. Ich stelle die These auf, dass Meyhöfer in weiser Voraussicht auf die Graböffnung hingearbeitet hat.

Herr Hausen:

Nun, es liegt auf der Hand. Betrachte dir nur mal die Internetseite, hier gab man eine Hildburghäuser Adresse an. Meyhöfer ist Administrator und wohnt schon Jahre nicht mehr in Hildburghausen. Über deren Mitglieder erwähnte er zwar, dass es sich um neun Personen handelt und dass er darüber hinaus Kontakt zu Frankreich pflegt, doch einzelne Namen wurden nie genannt. Übrigens, die Ehrenbürgerin der Stadt Hildburghausen, Helga Rühle v. Lilienstern, war nie Mitglied des Interessenkreises. Andere bekannte Persönlichkeiten, auch über die Stadt Hildburghausen hinaus, die sich um die Lösung des Rätsels verdient gemacht haben, sind nie darauf hin angesprochen worden, Mitglied des Interessenkreises zu werden. Einige Namen könnte ich, wenn es gewünscht wird, aus ganz Deutschland nennen. Da sind auch ausgewiesene Wissenschaftler dabei. Mir sind aber inzwischen die meisten Mitglieder des Meyhöferschen Interessenkreises bekannt. Nun zähle einfach mal eins und eins zusammen.

Frau Schildburg:

Nach dem Schiller-Code-Projekt, das für Weimar eine Enttäuschung war und der Fernsehdokumentation zur Dunkelgräfin, bietet Meyhöfer geschickt erneut dem mdr die Madame Royale an. Indem er bewusst alles in Zweifel zieht, gibt er vor, diese Zweifel mit einer neuen mdr-Dokumentation auszuräumen. Da hätte es doch in den Ohren der Verantwortlichen läuten müssen. Viele Monate vorher, ehe es überhaupt öffentlich wurde, gab es recht merkwürdige Kontakte der maßgeblichen Exhumierungsbefürworter. Und dann wurden rollende Busse und Publicity ohne Ende für Hildburghausen geträumt, eine Lachnummer. Finanzieller Aufschwung ist angesagt in unserer finanziell geplagten Stadt. Damit konnte man die wissenden Stadträte leicht überzeugen, und es kostet ja gar nichts. Gekostet hat es ja immerhin bislang schon den Bürgerentscheid. Und das alles auf dem Rücken einer schon zu Lebzeiten geplagten Frau.

Herr Hausen:

Das ist so. Vermutlich fehlt dem Herrn Demokraten und seinen Stadträten der Weitblick, aber auch die kleine Portion, sich mit den Kennern der Problematik ernsthaft zu beraten, denn Demokratie hat mit inszenierten Veranstaltungen oder Shows nichts zu tun. Von Courage will ich gar nicht erst reden. Viele Bürger besitzen diesen Weitblick, das beweisen die 1.656 Stimmen. Die Voraussetzungen heute sind ähnlich wie 2004, mit großer Wahrscheinlichkeit sind es dieselben Drahtzieher. Nur die finanzielle Situation hat sich heute verändert. Viele die Geschichte kennende Exhumierungsgegner warnten – vergebens.

Frau Schildburg:

Wie kann man es auch wagen, eine Entscheidung der Stadträte in Frage zu stellen?

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