Seufzen auf dem Philosophenweg oder

Vorne hui und hinten pfui

Frau Schildburg zu Herrn Hausen:

In der Beurteilung Hildburghausens muss man im Gegensatz zu manchem Kaffeeklatsch und mancher Stammtischrunde fair sein. Das Städtchen war noch nie so sauber wie gegenwärtig. Selbst der Innenhof des Meyerschen Instituts in der Oberen Marktstraße ist zu nennen, kein Zigarettenstummel war am vergangenen Freitag mehr zu sehen. Die meisten Straßen und Bürgersteige unter städtischer Obhut oder der Gebäudewirtschaft verdienen genannt zu werden, tip-top. Bei einzelnen privaten Immobilienbesitzern ist die Ordnungsliebe abhandengekommen oder war nie so richtig ausgeprägt. Im interstädtischen Bereich, bei Ortsverbindungsstraßen wird investiert, und so mancher längst fällige Bürgersteig bekommt Ende des dritten Jahrzehnts der Deutschen Einheit endlich eine Generalreparatur, die der Bürgermeister a. D. in seiner achtzehnjährigen unermüdlichen Tätigkeit nicht auf die Reihe brachte.

Herr Hausen:

Das ist wichtig, Deine Meinung teile ich. Unser Städtchen wird schöner, und ich fühle mich wohler. An Stadtratssitzungen kann ich mich erinnern, in denen Vertreter der Stadt und des Stadtrats immer vom Markt als der „Guten Stube“ sprachen. Das grenzte schon an Satire. Die ganze Stadt muss „Gute Stube“ sein. Da muss klug geplant, da müssen schlummernde Kräfte aktiviert werden, auch Privatinitiativen, wie die Saubermachaktion des Lions-Clubs oder das Anbringen von Nistkästen für unsere bedrohte Vogelwelt. Auf meinen Runden auf dem Philosophenweg rund um den schönen Schlossgarten oder Irrgarten, wie der Park früher hieß, fällt mir auf, dass der ehemals schönste Teil zwischen Beginn der Schlossparkpassage und Seufzerbrücke, also zwischen Kanal und Werra und dann entlang der Seufzerallee bis hin zur Helenenstraße mit dem Theater zum Heulen ist. Schuhputzzeug ist nach der Begehung angesagt. Die Ost- und die Nordseite des Kanals, also Helenen- und Zetkinstraße, sind beinahe schöner als die gute Stube, der Rest ist Schweigen oder eben pfui. Selbst bei Sturm und Regenwetter heruntergefallenes Astwerk wird nicht beräumt. Das bunte und bezaubernde Herbstlaub kann nichts mehr zudecken, und der fehlende Schnee kann es noch nicht. Warum gibt es eigentlich Wegeschilder in der Wiesenstraße, dass es auf diesem Morastweg zur Historischen Altstadt geht? Vorschlag: Augen auf, zwei Arbeiter, Fahrzeug, Schaufeln und Split besorgen! Die Idee ist kostenlos, ohne City-Manager oder Planungsausschuss kann ein solches Ärgernis freudvoll verändert werden. Städte werden manchmal nach ihren schlimmsten Dreckecken gemessen.

 

  • Lisa  schreibt:

    Nein, seufzen konnte ich am 28. November 2017 auf dem Weg von der Schlossparkpassage zur Seufzerbrücke nicht. Der hohe Wasserstand hat geseufzt, und ich habe geflucht. Meine Schuhe sind versaut. Zum Landratsamt muss man also Umwege gehen, das geht überhaupt nicht. Der Park ist beinahe nicht mehr begehbar, drei Bäume sind seit letzter Eoche umgestürzt. Das ist kein Ruhmesblatt für Hildburghausen. Auch der Schlosspark gehört zur „Guten Stube“ der Stadt, nein, er ist sie!

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