Stadtmarketing und Einzelhandel

 

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Frau Schildburg zu Herrn Hausen:

Durch das Reformationsjubiläum im kommenden Jahr erhoffen sich die Thüringer einen Tourismusaufschwung. Vielleicht profitiert unser Städtchen auch davon.

Herr Hausen:

Das glaube ich weniger, liebe Schildburg. Der Luther-Wanderweg macht um Hildburghausen eher einen Bogen. Man vermutet zwar, dass der Reformator Martin Luther 1530 während seines Aufenthalts auf der Veste Coburg in Leimrieth gepredigt habe, das konnte aber durch nichts bestätigt werden. Übrigens, die dem heiligen Valentin 1524 geweihte Kirche wird deshalb im Volksmund auch Lutherkirchlein genannt.

Frau Schildburg:

Also wieder nichts mit dem touristischen Aufschwung für unser Städtchen, dabei haben wir historisch doch viel zu bieten, sagt man. Wenn ich mir aber die Öffnungszeiten der Tourist-Information anschaue, scheint mir das Interesse an Besuchern nicht sehr groß zu sein. Mittwoch, Samstag und Sonntag geschlossen, kann sich das unsere Stadt überhaupt leisten oder ist sie Teil der Servicewüste? Für meinen kleinen Neffen wollte ich heute telefonisch zwei Karten für die Vorstellung der „Kleinen Hexe“ bestellen. Bis dahin bin ich gar nicht erst vorgedrungen, Warteschleifen, schnulzige Musik am Telefonhörer. All-überall keine Lösung, alles Mögliche war zu hören, nur nicht, dass ich meinen Kartenwunsch loswerde. … Ich war dann selbst im Historischen Rathaus.

Herr Hausen:

Du weißt doch, Sparmaßnahmen, die Stadt hat kein Geld, sagt man.

Frau Schildburg:

Geld? Was hier fehlt, ist die Zusammenarbeit zwischen Stadtmarketing und Einzelhandel, falls es in der Stadt überhaupt noch ein Marketing gibt, vor Jahren wurde dafür extra eine Personalstelle geschaffen, doch geändert hat sich nichts Spürbares. Die Mannschaftsaufstellung ist schon sehr wichtig, und Tourismus kann auch nicht jeder, obwohl wir diese Allerweltsmentalität seit 1990 nicht nur in Hildburghausen oft genug erlebt haben.

Herr Hausen:

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass einige Einzelhändler gerne bereit wären, den Part der Tourist-Information an ihren Geschäftszeiten zu übernehmen, manche haben wochentags zehn Stunden geöffnet. An Wochenenden wäre für Touristen das Stadtmuseum der Anlaufpunkt. Es kann doch nicht sein, dass die paar Besucher unserer Stadt permanent vor verschlossenen Türen stehen und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

  • Drachentöter 2.0  schreibt:

    Einzelhandel in Hildburghausen-was ist das?
    Wenn um eine Stadt ein Supermarkt nach dem anderen hin gestellt wird, so können sich die „Kleinen“ nicht mehr über Wasser halten; und das ist so gewollt.
    Es ist doch lukrativer, die kleinen Geschäfte aus der Stadt zu verbannen, in die Pleite rutschen zu lassen, denn mit den Kampfpreisen der „Großen“, kann keiner mithalten. Sicher brauchen viele Menschen die Billigangebote, das weist schon wieder auf die total inhumane Finanzpolitik der Bundesregierung hin.
    Sieht man sich rund um Hildburghausen die Supermärkte an, möchte man meinen, entweder profitiert jemand davon oder kann nicht klar denken. Mit jedem Supermarkt gehen zehn Einzelhandelsgeschäfte den Bach runter.
    Nach 1990 war es sicher nicht einfach, eine Stadt mit Strukturen, mit Geschäften, mit Serviceangeboten, eine prosperierende Stadt
    zu etablieren, denn die ehemals rot verseuchte Stadt ist nicht so gewachsen wie z.B. Rodach oder Coburg. Hier ist die Urbanität aus dem Mittelalter erhalten und immer weiter ausgebaut.
    An diesen Städten hätte man sich ein Beispiel nehmen sollen-doch wer war dazu in der Lage? Die jetzt sterbende Stadt ist geplant, nicht durchdacht und die Innenstadt verkommt immer mehr.
    Macht es überhaupt noch Spaß durch die Stadt, über den Markt zu laufen-mit Sicherheit nicht. Leere Geschäftslokale gähnen einen an und man spürt das Leichentuch, dass sich so langsam über die Stadt legt.
    Und so soll der Tourismus angekurbelt werden? Womit denn? Wenn Luther einen Bogen um Hildburghausen gemacht hat, hatte er sicher seine Gründe.
    Als ich noch in Sachsen-Anhalt wohnte und es entstand in mir die Absicht nach Thüringen zu ziehen, sagte mir eine schon sehr alte Nachbarin, sie war eine studierte Apothekerin: „ Junge, wenn du in diese Ecke ziehen willst, so mache einen großen Bogen um Hildburghausen. Dort kommen alle hin, die ihr Studium nicht geschafft haben oder sonst gescheitert sind.“
    Zu dieser Zeit kannte ich nicht einmal Hildburghausen und glaubte, die Frau übertreibt etwas.
    Als ich später in Hildburghausen mehr oder weniger zwangsangesiedelt wurde, merkte ich, sie hatte recht-übertrieben hat sie nicht. Offensichtlich hat ihre Warnung noch heute Gültigkeit.

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