Triestes Herbstwetter, ein tropischer Vogel und lapidare Gedanken

Sauwetter, die letzte Oktoberwoche beginnt mit Bettgedanken. Warum bin ich eigentlich heute aufgestanden? Gegenüber meines nicht mehr benutzbaren Lieblings-Chlochmerles in der Rückertstraße nahe der Post hüpft mir doch beinahe ein spatzengroßes buntgefiedertes Vögelchen über den Fuß, vogelmunter ist der kleine Piepmatz mit seinem exotischen Federkleid. Aber, hallo, der ist nicht in der mitteleuropäischen Natur gezeugt worden, eher mit dem Zoohandel nach hier gelangt. Vielleicht war er noch wenige Stunden zuvor wohlbehütet in einem Wohnzimmer, die Neugierde auf die Freiheit ließ ihn ausbüxen.

Gedanken entwickeln sich. Hoffentlich muss er nicht in der Freiheit leiden wie der „diktaturerprobte ahnungslose und unvorbereitete DDR-Bürger“, der sich nur nach Annehmlichkeiten sehnte und nicht bedachte, dass man sich Freiheit täglich erobern muss oder die strahlend lachenden Wüstensöhne, die sich anschicken, nicht nur den historischen Marktplatz im Städtchen zu erobern, sondern noch viel mehr. Auf den Bürgersteigen sind sie mit ihren teils schicken Fahrrädern und einem Smartphone am Ohr unentwegt unterwegs. Sie sind wohlversorgt. Mangel ist vorbei.

Freunde hat das Vögelchen hier gewiss nicht. Weder die Spatzen, noch die futterneidischen und manchmal lustig-zänkischen Blaumeisen werden ein Körnchen abgeben. Gegenüber einer Amsel oder Elster ist es chancenlos. Niemand kümmert sich um die Integration. An wen soll der Buntgefiederte sich wenden? Niemand hört ihm zu, Gesetze und Verordnungen gibt es nicht. Für eine Paarung gibt es genetische Grenzen. Das Säuwetter, wie der Hildburghäuser lamentiert, soll zunehmen. Wenn er nicht eingefangen wird, hat der Rote Milan vielleicht ein Erbarmen.