Von wegen Reinheitsgebot 500 Jahre

Prosit! und das Reinheitsgebot einmal anders

Reinheitsgebot

Frau Schildburg:

Du weißt Hausen, nur ein schöner Rotwein kann mich begeistern, auch wenn ich eine gute Brotzeit mit einem ordentlichen einheimischen Bier nicht stehen lasse. Eines verstehe ich aber nicht, weshalb dieser Tage überall vollmundig und mit Getönse vom bayerischen oder vom deutschen Reinheitsgebot des Bieres gesabbert wird. Der 500. Geburtstag wird gefeiert. Bevor das angebliche Reinheitsgebot in der „Bayerischen Landesordnung“ 1516 stand, wusste man selbst in Hildburghausen, wie ordentliches Bier gebraut wird.

Herr Hausen:

In der Tat. Bereits 1416, also 100 Jahre vorher, wird im Stadtbuch I von Hildburghausen das Braugewerbe erwähnt. Wir Südthüringer oder Nordfranken sind doch mindestens ebenso hell wie die Leute irgendwo in Bayern. 600 Jahre ist es her. Bereits 1414 ist dokumentiert, dass für das Brauhaus ein Kessel- und Zeichengeld erhoben wird. Das ist ein Hinweis, dass das Braugewerbe bereits eine lange, sehr lange Tradition hat. 1441 werden im Stadtbuch I eindeutige Forderungen zur Anstellung eines Braumeisters festgelegt. Auch wenn heute das bayerische Reinheitsgebot von 1516 immer wieder als das Nonplusultra hingestellt wird, kann davon ausgegangen werden, dass hier und anderswo bereits nach den gleichen Rezepturen gebraut worden ist, die man gegenwärtig als bayerisches Reinheitsgebot werbewirksam und missionarisch vermarktet.

Ein bisschen grummelig bin ich schon, dass Hildburghausen keine ihrer einst bekannten Brauereien mehr hat, ebenso im entfernungsmäßig schon bald zu Hildburghausen gehörenden Heßberg oder sonstwo.

Also stoßen wir heute mit Dingslebener und Schwarzbacher Bier an. Auch wenn das Bier an maultrüben Stammtischrunden schlechtgeredet wird, dort kann man aber auch erfahren, dass auf jedem Fußballacker im Landkreis ein besserer Fußball gespielt wird als in der Allianz-Arena in München. An den Diskutiertischen sitzen eben die wahren Spezialisten, vor allem wenn sie bei manchen Brauereiprodukten von „Sterbehilfen“ sprechen. Beide Brauereien kenne ich sehr gut: Gerade dort beherrscht man die wahre Braukunst noch.

N.B. Und noch so eine dämlich-beliebte Legende. Wenn ein Geschichts-Geschichtenerzähler immerhin noch etwas Aufmerksamkeit erregen will, dann bringt er die dümmliche Geschichte zum Besten oder posaunt sie in die Welt, dass Tage vor dem Brauen der Schultheiß – kraft seiner Wassersuppe – die hochwohllöbliche Meldung verbreitet, dass es verboten sei, in den Dorfbach zu pinkeln oder zu scheißen, weil eben gebräut wird.

Prosit auf das Einheimische!

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