Wer andern eine Grube gräbt, ist ein Löchermacher!

Frau Schildburg:

 Das große Lob unseres Lesers „Kerzenlicht“ für die sechsteilige Serie „Madame Royale hat nicht ein, sondern ihr Gesicht“ und die guten Worte vieler anderer Leute erst heute wieder beim Einkauf im REWE machen mich in aller Bescheidenheit etwas stolz. Immerhin haben wir auf der „Schildburghausen“-Seite inzwischen täglich 2.000 bis 4.000 Leser, weshalb die Seite momentan nicht mehr so einfach kommentierbar ist. Die Leser möchten es bitte entschuldigen, bis wir es wieder im Griff haben. Auch Alfred Emmert, der Chef der „Südthüringer Rundschau“, war sehr zufrieden. Ein Lacher per excellence war aber der eine Woche später folgende grottenschlechte und rufschädigende Leserbrief des Herrn Karl-Heinz Roß, der in seiner christlichen Nächstenliebe wie ein Bulldog missioniert. Der beinahe Mittsiebziger lässt sich gerne von seinen Mitmenschen, in der Presse und in anderen Medien „Historiker“ oder „Stadtchronist“ nennen. Von dir weiß ich, dass du solche Begriffe von dir weist und höchstens „historisch interessiert“ zulässt.

Herr Hausen:

Das gönne ich ihm von Herzen, er hat viel Fleiß gezeigt, eigentlich ist mir das Sch…egal, denn ich werde höchst seltsam angegriffen, weil ich in deiner Serie erwähnt werde. Aber, es ist wohl eine Tatsache, dass ich wichtige Bücher zur Thematik verlegt und geschrieben habe. Den Herrn kenne ich ganz gut, weiß aber auch, dass er nur seine Meinung kennt. Er ist ein wenig älter als ich, aber irgendwann waren wir sogar Schulkameraden. Sehr engagiert war er für Kirche und Stadt tätig, aber irgendwie scheinen ihm die Anstandsregeln abhandengekommen zu sein. Witzig tituliert er mich mit „weise“, das bin ich sicherlich nicht, bei ihm fehlt allerdings die Weisheit in größeren Dimensionen. Liebe Schildburg, du musst dich nicht grämen. Wir werden unsere Texte auch künftig nicht dem Herrn zur Kontrolle oder Zensur vorlegen. Wir schreiben, was wir wollen, auch wenn seine regionalgeschichtlichen Felder tangiert werden. Dieses Jahr kommen von uns noch eine Menge kirchengeschichtliche Texte hinzu, vor allem zur Reformation, aber auch zur Geschichte der Juden im Landkreis Hildburghausen (Da hat er wieder einen Grund zum Loswettern), zur Geschichte der Stadt Hildburghausen und zum sogenannten Dunkelgrafenpaar. Zu guter Letzt möchte ich noch bemerken, dass das Rösslein nur über eine mangelhafte Begabung in Fragen Hellseherei verfügt. Unser Buch zur Madame Royale und zu van der Valck wird, nicht wie voraussagt am 1. April 2017 erscheinen, sondern im Okt./Nov. 2017, zum 180. Todestag unserer Königstochter. Gegenwärtig arbeite ich noch in der Endphase an einem schönen Buch über die Brauerei Metzler in Dingsleben. – Und das Buch muss sich Karl-Heinz Roß tatsächlich nicht kaufen, das bekommt er kostenlos von der Post zugesandt, damit er immer auf dem neuesten Stand unseres Wissens ist.
Unseren Lesern wollen wir aber den Original-Leserbrief nicht vorenthalten. Eigentlich müsste er immer, wenn er einen Text abgibt, für die Redaktionsmannschaft eine Packung Kaffee auf den Tisch stellen. Und noch eine Empfehlung an den historischen Tausendsassa: Kann Herr Roß sich mal tatsächlich um ein exaktes Exhumierungsdatum kümmern? – Damit es nicht untergeht: Aus dem bisherigen freundschaftlichen Du, stelle ich das distanzierende und ehrerbietige Sie wieder her. – Das war‘s! Schade!

Frau Schildburg:

Du kannst den guten Mann jetzt nicht mit dem Exhumierungsdatum überfordern, lieber Hausen! Vielleicht verrät es ihm aber jemand in aller Heimlichkeit. In der Dorfzeitung vom 10. Juli 1891 kann man es nachlesen: „Hildburghausen, 9. Juli. Das Rätsel von Hildburghausen rückt allem Anscheine nach endlich in ein neues Stadium. Gestern morgen 4 Uhr hat nämlich nach vorausgegangener Genehmigung auf unserem Stadtberge im Beisein dreier Herren, darunter, wie verlautet, ein Herr aus Holland, die Öffnung des geheimnisvollen Grabes der Dunkelgräfin stattgefunden …“
Demzufolge ist 1891 richtig, aber ob ein Jahr früher oder später die erste Graböffnung stattfand, ist mir eigentlich egal. Schlimmer finde ich diesen provinziellen Kleingeist, von dem ich auch geschrieben habe und der im Leserbrief von Roß in aller Deutlichkeit rüber kommt. Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf! Doch die Zeit wird es zeigen, da bin ich mir sicher.

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